Selbstfahrende Autos werden zum Arbeitsplatz

Wer an autonomes Fahren denkt, hat Bilder von glücklichen Menschen im Hinterkopf, die sich, durch den Computer gesteuert, mit ihrem Auto, ohne selbst in den Verkehr eingreifen zu müssen, von einem Ort zum anderen kutschieren lassen: Kein Stau, keine Drängler oder Radfahrer, die einen beim Tagträumen auf dem Weg zur Arbeit stören. Weniger psychische Belastungsproben führen automatisch zu höherer Konzentration und Produktivität am Arbeitsplatz.

Alles könnte so schön sein.

Die neue Realität im Jahr 2025 wird aber nur wenigen Menschen zuteil – denen, die es sich rein wirtschaftlich leisten können, ihre Zeit durch Nichtstun im Auto zu “vergeuden”. Der größte Teil der Beschäftigten wird die neu verfügbare Fahrzeit wohl mit Arbeiten verbringen. So, wie es heute Usus im Geschäftsleben ist, die Reise im Zug und im Flugzeug mit dem Laptop auf dem Schoss zu verbringen. Und ad hoc bieten sich hier für die Industrie neue Einnnahmepotenziale: Horvarth schlägt zum Beispiel vor, einfache Tätigkeiten, wie das E-Mails oder Präsentationsunterlagen zu bearbeiten, in die Zeit des autonomen Fahrerlebnis’ zu verlegen. Und die Hersteller können zu diesem Zweck neue “Zusatzdienste” entwickeln und an die gestressten Auto-Arbeiter verkaufen – und damit neue Service-Geschäftsmodelle generieren: zum Beispiel durch bessere Ausstattung mit Screens, Datenraten oder App-Suites oder auch mit “kuratierten” Services, die dem Autofahrer Zugriff auf Recherche-Dienste oder ähnliches während der Fahrt ermöglichen. Willkommen in der neuen Mobil-Autonomen-Arbeitswelt (MAA).

So schön diese Perspektive von grenzenloser, mobiler Arbeit ist, so wenig befreit sie den Einzelnen in Zukunft von seiner Arbeitslast. Jedoch können die MAA-Arbeiter Hoffnung schöpfen: Aller Voraussicht nach wird die Autoindustrie genau diesen Trend aufgreifen, und für selbstfahrende Autos komfortable Arbeitsumgebungen “designen”, die das Arbeiten im Vergleich zum herkömmlichen mobilen Arbeiten erleichtern.

Die arbeitspsychologische Forschung gibt uns hier heute bereits einige Hinweise, wie der neue Arbeitsraum im autonomen Fahrzeug aussehen sollte, damit das Arbeiten angenehmer und entspannter wird. Die aktuelle Forschung zeigt, dass sich die herkömmlichen mobilen Arbeitsorte, wie Bahn oder Flugzeug, negativ auf die Psyche der Arbeiter auswirken. So stellen Forscher der Loughborough University fest, dass einer der beliebtesten Arbeitsplätze heutzutage das parkende Fahrzeug auf dem Parkplatz ist, da hier besonder viel Ruhe herrscht und ausreichend Platz zum Arbeiten da ist.

Im Gegensatz dazu ist das Arbeiten in Zügen und Flugzeugen weniger beliebt. Hier nehmen Menschen den Lärm und Mangel an Raum störend wahr, was sich negativ auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Die mobile Arbeitsumgebung hat insofern einen hohen Einfluss, wie produktiv der mobile Arbeiter mit seinem Laptop und Handy hantiert. Die Forscher fanden heraus, dass in Zügen häufig der Platzmangel stört, während in den Flugzeugen 47% der Befragten den Lärm als häufigsten Grund für schlechte Arbeitsbedingungen angeben. Insgesamt zeigen sich also Faktoren, die sich auf die Qualität des mobilen Arbeitens auswirken. Beim autonomen Fahrzeug besteht die Chance, diese Mängel zu beseitigen. Deshalb sollte die

Wie auch immer die Designer von VW, Daimler oder Tesla sich mit den Arbeitswissenschaften beschäftigen werden: Die mobilen Arbeiter in einem Tesla können immerhin von sich behaupten, besser als ihre Kollegen im Großraumbüro zu arbeiten. Und Hand aufs Herz: Wer würde nicht gern im nächsten Videokonferenz-Meeting aus seinem Tesla heraus die Kollegen mit der sauteuren Sonderausstattung beeindrucken?

Hier eröffnet sich gleich eine neue Welt des digitalen Influencer-Marketings im autonomen Fahrzeug – darüber dann sicher einmal in einem anderen Beitrag mehr.

 

Weiterführende Quellen:

News Bites – Private Companies, 27 March 2015: Loughborough University Services Ltd.: Business people prefer working in their cars instead of noisy and cramped trains, planes and airports, research shows

 

Photo by smoothgroover22/ CC BY

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