Auswirkungen künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt

Wenn wir über das Lernen in Betrieben sprechen, wird oftmals übersehen, dass in vielen Bereichen schon Algorithmen der künstlichen Intelligenz eingesetzt werden. Doch was sind die Auswirkungen in der Arbeitswelt, wenn Menschen und künstliche Intelligenz immer stärker zusammenarbeiten? Wer profitiert davon? Verbessert sich dadurch das Lernen für den Menschen?

Was passiert gerade?

Menschen und künstliche Intelligenzen kooperieren in der Arbeitswelt in vielen unterschiedlichen Bereichen heute schon eng zusammen. Von vielen Entscheidern in der Arbeitswelt werden die Auswirkungen dieser Kooperation aber gar nicht bemerkt. Die Zusammenarbeit hält aber dennoch Einzug in den Arbeitsalltag und löst immer mehr konventionelle Kooperations- und Lernformen ab:

  • Ob in Form von Spielszenarien, in denen eine KI bestimmte geschäftliche Prognosen entwickelt
  • bei der Unterstützung von Ärzten bei der Bilderkennung von Tumoren
  • der Identifikation seltener Tier- und Vogelarten
  • der automatisierten Suche nach Krankheitsmustern in elektronischen Medizinakten
  • der Unterstützung von Soldaten bei der autonomen Kriegsführung
  • bei Assistenzaufgaben von Notfallhelfern bei der Ortung von Opfern im Katastrophenfall
  • bis hin zur Unterstützung von IT-Spezialisten bei der Abwehr von Cyberangriffe.

Alle diese Anwendungsformen sind Beispiele für Möglichkeiten, wie Menschen eng mit Algorithmen in einem gemeinsamen Lernprozess in der Arbeitswelt kooperieren und neues Wissen in einer spezifischen Situation erzeugen.

Ein populäres Beispiel der Zusammenarbeit einer KI und Menschen wäre…

Der in Wien geborene Komponist Franz Schubert zählt bis heute zu den kreativsten und inspirierendsten Musikern der Romantik. Eines seiner bekanntesten Werke ist die Sinfonie in h-Moll, die von ihm jedoch nie vollendet wurde. Der musikalischen Herausforderung der Vollendung stellte sich nun das chinesische Technologieunternehmen Huawei. Medienwirksam wurde mittels einer künstlichen Intelligenz, die auf einem Smartphone-Chip lief, die Fertigstellung der Symphonie präsentiert. Interessant daran war, dass Huawei während des Kreativprozesses auf eine Kooperation zwischen Mensch und Maschine setzte: Während ein künstliches neuronales Netzwerk die Schlüsselelemente des bestehenden Stücks analysierte und daraus neue melodische Vorschläge entwickelte, fügte ein Mensch die Versatzstücke am Ende zu einem Gesamtwerk zusammen:

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Auch wenn sich über die künstlerische Qualität des Ergebnisses streiten lässt, so zeigt sich daran, dass die Kombination der Fähigkeiten von Mensch und Maschine zu einer völlig neuen Qualität der Wissenserzeugung und Lernerfahrung führt.

Hintergrund:

Diese immer stärkere Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen bezeichnen wir heute als „konnektionistisches Lernen“ Es geht um einen eng miteinander verzahnten Austauschprozess des gegenseitigen Lernens zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz.  Der Begriff des Konnektionismus geht auf verschiedene Theorien aus den Kognitionswissenschaften, der angewandten Psychologie sowie der Systemtheorie zurück. (Rogers and McClelland, 2014) Beschrieben wird damit ein grundlegender Ansatz, wie durch verteilte Signalaktivitäten innerhalb komplexer, miteinander verbundener System- bzw. Netzwerkstrukturen das intelligente Verhalten des Gesamtsystems beeinflusst werden kann („parallel distributed processing”). Diese Sichtweise kann ebenso auf die anwendungsorientierte Frage angewendet werden, wie ein System mittels vernetzter Problemlösungs- und Lernprozesse eine höhere Systemordnung erreichen kann.

Schaub (Schaub, 2017) als Vertreter der psychologischen Synergetik beispielsweise sieht Menschen nicht in der Lage, ein System durch konventionelles Lernen in einen höheren Systemzustand zu versetzen. Dieser Auffassung folgend sind Menschen zwar in der Lage, einfache und nicht komplexe Probleme durch Lernen zu lösen. Dieses Lernen erfolgt aber weitestgehend regelbasiert und folgt festgelegten Qualifikationsanforderungen.

Das Problem:

Die meisten Systeme, die wir in der Arbeitsgestaltung und Arbeitsorganisation kennen, gründen sich alle auf der gedanklichen Prämisse, dass nur Menschen in der Lage sind, komplexe Probleme zu lösen. Dies stimmt aber so nicht mehr. 

Die Erhöhung des Systemzustandes kommt dann zustande, wenn ein System, im Sinne einer Organisation oder eines Unternehmens, in der Lage ist, auch unerwartete, komplexe und schwierige Probleme zu lösen – beispielsweise mit Hilfe der künstlichen Intelligenz.

Es geht darum, dass Menschen und die KI Probleme gemeinsam lösen,

  • bei denen es Lücken im Problemlösungsweg gibt,
  • bei denen es offene Fragen gibt, die nicht gelöst werden können,
  • deren Lösung sich auf rein Hypothesen gründet usw.

Es muss also ein Umdenken in der Arbeitswelt geben, wie Menschen und Maschinen besser zusammen arbeiten und zusammen lernen. Doch welche Auswirkungen hat die Zusammenarbeit zwischen Menschen und künstlicher Intelligenz?

Weitere Ideen dazu finden Sie in meinem Buchbeitrag: „Maschinen wie wir: Wie künstliche Intelligenz das organisationale Lernen verändern kann“ im Buch „Lernen in der digitalen Transformation“ 


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