Google’s Responsive Web Design Ansatz

Bewegung im Usability-Design

Mit der Content-Darstellung im Blog-Bereich verhält es sich seit Jahren so ähnlich wie mit Männerkrawatten: Es ändern sich einfach überhaupt nichts. Blogs funktionierten  in klassischer Weise nach wie vor nach einem chronologischen Prinzip. Der letzte Artikel der geschrieben wird, wird als erstes angezeigt. Basta. Dass der ein oder andere Blog in der Vergangenheit versuchte, von dieser Schulbuch-Systematik abzuweichen und seine Inhalte anders zu verpacken um den Nutzer die Inhalte auf Basis verschiedener Interessenpfade zu präsentieren, ändert nichts an der Tatsache, dass sich dieses grundsätzliche Prinzip in allen aktuellen Blog-Plattformtechnologien wiederfindet. Ob WordPress, Movable Type, Django, Posterous; auf allen Plattformen wird das Prinzip der chronologischen Tagebuch-Logik manifestiert. Selbst bei unseren eigenen Bestrebungen, die Inhaltsstrukturen eines großen deutschen Multi-Author Blogs so zu verändern, dass der Inhalt nach individuellen Interessen der User zugänglich wird, um Inhalte nicht zwingend in zeitlicher Reihenfolge lesen zu lassen, stieß bei der WordPress-Entwicklung an seine technologische Grenzen. Nach Entwicklersicht ist dem WordPress-Release bereits das chronologische Prinzip in die Babywiege eingehaucht wurden. Jeglicher Versuch, davon abzuweichen, ist entweder mit erheblichem strukturellem Customizing verbunden oder hätte einen kompletten Plattformwechsel, z.B. auf Drupal, zur Folge. Rettung kommt nun unerhofft von Google, die sich in den letzten Jahrzehnten nicht wirklich mit Ruhm im Usability-Bereich bekleckerten. Jedoch scheint auch bei Google immer mehr die Einsicht einzukehren, dass das Auge des Betrachters mit konsumiert. Nachdem Google bereits seine komplette App-Suite in ein neues Kleid steckte und verschiedene seiner Plattform-Produkte, wie Gmail, Youtube, Google Books und Google Analytics, eine neue Usability verpasste, wurden neue Struktur-Innovationen bei einem der wichtigsten Authoring-Produkte in der Google-Familie ausgerollt: Auf blogger.com startet ab sofort eine modernisierte Inhalts-Darstellung, die anders als klassische Blog, die Lesegewohnheiten der Blogger berücksichtigen und die Möglichkeit eröffnen, den Content dynamisch und konsumentenfreundlich darzustellen. [youtube height=”HEIGHT” width=”WIDTH”]https://www.youtube.com/watch?v=lpDQF2lFnBU[/youtube]   Mit Hilfe von AJAX, HTML5 und CSS3 rollt Google seine neue Blog-Darstellung namens Dynamic Views aus. Dem blogger.com Owner liefert Google neue interaktive Layouts mit den vielversprechenden Namen Flipbook, Magazine, Snapshot oder Timeslide. Je nach Nutzerinteresse lassen sich dadurch die Inhalte dynamisch nach Leseinteresse darstellen. Zudem verspricht Google, das die Inhalte mit den neuen Blog-Templates bis zu 40 Prozent schneller laden als mit den herkömmlichen Templates.

Dynamische Darstellung von Inhalten

Somit setzt Google ganz auf eine Dynamisierung der Inhalte. Dieser Schritt scheint anders als vielleicht auf den ersten Blick sichtbar, einschneidender zu sein, als nur die reine Veröffentlichung neuer Templates. Unter Beachtung des möglichen Skaleneffekts, den von Dynamic View im Hinblick auf die Reichweite von blogger.com haben kann, verschiebt sich mittelfristig die Relevanzbewertung von Bloginhalten auf die Seite der Nutzer, was nicht zuletzt einen Effekt auf die ganze Blogindustrie haben könnte. Sind heute noch die Blog-Produzenten die Hüter des Inhaltsgrals, verschieben sich die Möglichkeiten des der Inhaltsvarianz auf Seite des Nutzers. Dieser entscheidet in Zukunft, ob Bloginhalte nach Autor, nach Datum, nach Farbe des Bildes, nach Anzahl der Shares oder nach anderen Relevanzkriterien sortiert werden wird. Dynamic Views bietet also das Potenzial, neue Wege  des Inhaltskonsums auf Nutzerseite zu manifestieren. Der Nutzer wird zum Inhaltsprozenten. Um sich die möglichen Auswirkungen vor Augen zu führen, ist ein Vergleich mit der Filmproduktion gut: Was würde wohl Steven Spielberg dazu sagen, wenn sein Blockbuster Jurrassic Park in 500 verschiedenen Versionen angezeigt werden könnte. Der Kinobesucher hätte die Wahl, die einzelnen Sequenzen des Films nach seinem Geschmack abzuspielen und anzuschauen. Tyrannosaurus Rex hätte in diesem Fall vielleicht nur noch eine Nebenrolle bekommen…. In diesem Fall hätte der Regisseur für den Erfolg des Films nur noch eine geringe Rolle wenn überhaupt noch eine Bedeutung, sondern nur die Inhalte des Films zählen. Das Story Book wird anders als heute aber vom Kinobesucher selbst entwickelt. Ob die nutzergesteuerte Dynamisierung von Inhalten im Blog-Bereich tatsächlich ihr Potenzial ausschöpfen wird, werden wir sehen, denn die Adaption dieser neuen Technologien steht einem bislang gewachsenen Standard gegenüber. Allein die Wahl, wie Inhalte konsumiert werden, liegt in Zukunft wortwörtlich im Auge des Betrachters. Aber wenn es so käme, käme dies einer kleinen Revolution gleich.   Quelle Foto: https://www.flickr.com/photos/adactio/ (Creative Common 2.0) [divider scroll_text=”Nach oben”] [space height=”20″]

Photo by cirox/ CC BY

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