Kompetenzmanagement ist kein Top-Down-Ansatz

 

Eine erfrischende Kritik zum Thema Kompetenzmanagement kommt vom Kollegen Dr. Felix Frei, der Unternehmen in Sachen Organisationspsychologie berät. Wenn auch etwas überspitzt, aber dennoch richtig konstatiert er, dass ein fehlgeleiteter Ansatz des Kompetenzmanagements mehr schaden als nützen kann. Elitäre Top-down Ansätze, bei denen im Unternehmen eine kleine Gruppe Menschen versucht zu bestimmen, was denn nun eigentlich ein Talent ist und wer über dieses oder jene Talent verfügt, führen zu Frustration und Desinteresse bei den Mitarbeitern.

Und das stimmt.

Traditionelle, HR-geleitete Ansätze, Kompetenzmanagement auf einer Top-Managementebene zu etablieren, führen zu nichts. Kompetenzmanagement ist angesichts der hohen Umweltkomplexität, die es heute gibt, vom konzeptionellen Ansatz her gesehen viel mehr als ein integratives Management-Werkzeug zu verstehen. Die Aufgabe der Organisationsentwicklung muss es sein, zu ermöglichen, dass Kompetenzmanagement innerhalb der Arbeitsprozesse und Strukturen aller Mitarbeiter stattfindet.

Folgen wir den Tipps von Dr. Frei, so sollten Unternehmen und die zuständigen Organisationsentwickler tunlichst vermeiden, dass eine elitäre Gruppe im Unternehmen die Hoheit über das Kompetenzmanagement oder Talent Management erlangt. Kompetenzen zu entwickeln ist vielmehr ein Selbstorganisations-Ansatz und kein funktionales Instrument der HR-Abteilung. Mitarbeitern sollten damit „befähigt“ werden und es sollte ihnen erlaubt sein, selbstbestimmt aus einer bestimmten Situation heraus – z.B. Problemen in der Produktentwicklung, in einem Projekt in China, in einem Marketingfeld etc. – selbsbestimmt die eigenen Probleme durch Vernetzung mit anderen Kompetenzen oder der Entwicklung eigener Kompetenzen besser zu lösen. Bei der Frage nach dem Wie der Talententwicklung braucht es ein auf die Unternehmenswertschöpfung bezogenes Vorgehen und Methodenspektrum, mit dem Mitarbeitern selbst wählen können, ob sie für das jeweilige Problem die Kompetenzen anderer Experten hinzuziehen und sich dort Hilfe holen, oder selbst eigene Kompetenzen entwickeln, um damit das Problem letztlich lösen.

Talent ist nicht steuerbar. Fangen Sie also an, Kompetenzen richtig zu managen. Danke Herr Frei.

Quelle: Böse Worte: Talente | St.Galler Tagblatt

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Gamification im Kompetenzmanagement